Künstliche Intelligenz: Vom Seitenwagen zum Zugpferd

Peter Uhr

Die Diskussion um Künstliche Intelligenz (KI) in Unternehmen dreht sich zunehmend darum, ob sie nur ergänzend oder als strategisches Element genutzt werden soll. Die Entwicklung im Bildungssektor bietet eine Parallele: Früher wurden digitale Lehrmittel nur als Ergänzung zu Büchern gesehen, doch mit der Zeit wurden sie zur treibenden Kraft der Innovation.

Viele Diskussionen rund um die Künstliche Intelligenz (KI) drehen sich um die Frage, welche Rolle die KI in den dienstleistenden, produzierenden oder vertreibenden Unternehmen spielen soll: Setzt man sie als ergänzendes Tool ein, um quasi als Marketing-Gadget Aufmerksamkeit zu erheischen? Oder Soll KI strategisch elementare Aufgaben erfüllen, welche tiefgreifende Reorganisationsprozesse bedingen?

Diese Diskussion erinnert mich an eine frühere, die im Bildungsbereich, konkreter in den Lehrmittelverlagen und den Schulen und ihren Trägern (Gemeinden und Kantone) geführt wurden. Eine ganze Generation früher wurden von den Verlagen lehrmittelergänzende Materialien wie Lieder, Videos, Geschichten, kleine Übungssequenzen, teils als Lernspiele auf separaten Datenträgern (CD ROM, DVD) angeboten. Die Hauptträger der Lerninhalte und der Progression blieben Bücher und Hefte. Das Internet diente damals als Recherche-Maschine und E-Mail-Provider.

Als die wachsenden Bandbreiten einerseits mehr Datenverkehr zuliessen, und Lehrpersonen wie erste Schulen sich ans WWW anschlossen, eröffneten sich auch für die Lehrmittelentwicklung neue Möglichkeiten. Der erste Schritt etlicher Verlage bestand darin, einfach das, was vorher auf externen Datenträgern war, nun zusätzlich, später exklusiv auf dem Internet zugänglich zu machen. Dass sich damit neue Vertriebskanäle, Preiskalkulationen und Urheberrechtsfragen stellten, stellte sich dabei als unerwartete Herausforderung dar.

Die in solchen Fragen aufgeschlossensten Verlage erkannten schliesslich, dass neue Produktionsprozesse und Vertriebsformen auch neue Geschäftsmodelle mit sich brachten. Also begannen sie, die ganzen Konzeptions-, Entwicklungs-, Produktions- und Vertriebsprozesse ganzheitlich und zwar auf der Basis der Digitalität dieser Lernmedien zu sehen: Erst in zweiter oder dritter Instanz wurde überlegt und entschieden, für welche Lernphasen, Tätigkeiten und Bedürfnisse digital konzipierte Elemente nur digital und/oder auch als Print verfügbar sein sollten.

Das heisst: Aus dem ehemaligen nice du have-Seitenwagen wurde der Motor der Entwicklung bzw. eine zukunftsfähige Zugmaschine. Und genau an diesem Punkt stehen Unternehmen heute, wenn sie die einleitend formulierte Frage beantworten wollen. Lesen Sie dazu den Beitrag von Aslam Jilani: https://einklang-academy.com/en/you-need-an-innovation-strategy-to-move-from-ai-to-ai/