EDUCATION PERMANENTE – Wie bitte?
Der Wandel von den Grundlagen im Klassenzimmer zum lebenslangen Lernen

Dass die berufliche Bildung mit einem ersten Fähigkeitszeugnis nicht abgeschlossen ist, ist Allgemeingut. Weniger bekannt ist, wie lange schon die berufliche Weiterbildung professionell konzipiert und begleitet wird.
Da ist zum Beispiel der SVEB, der Schweizerische Verband für Weiterbildung. Ihn gibt es bereits seit 1951. Wer in der Erwachsenenbildung Fuss fassen möchte, kann seine Qualifikation mittels eines SVEB-Zertifikats nachweisen.
Swissmem Akademie, das Bildungs- und Beratungszentrum von Swissmem bietet einen ganzen Strauss an branchenspezifischen Bildungsgängen an. Darunter einen von Einklang-Consulting konzipierten Lehrgang für KMU Führungskräfte, Leading in Operations.”
Wichtig: Erwachsenenbildung ist nicht einfach «Volksschulpädagogik mit Grossen». Erwachsenen-bildnerInnen sollten etwas von Entwicklungspsychologie verstehen, Erfahrung mit der so genannten natürlichen Differenzierung (Lernende sind auf mehreren Ebenen verschieden) haben und sich selbst permanent weiterbilden. So sind sie nicht blank, wenn Kursteilnehmende Fragen zur Integration von KI in die Kursarbeit oder in die berufliche Tätigkeit stellen. Und – wenn sie in einem Blended Learning-Setting arbeiten – müssen sie flexibel genug sein, komplementär zu den digitalen Lerneinheiten genau das herauszuarbeiten, was den Lernenden in ihrem Prozess weiterhilft.
Darum die Frage an Peter Uhr, unseren Experten für Bildungsangelegenheiten: Was unterscheidet denn genau das allgemeinbildende Lernen von Kindern an einer Volksschule vom Erwachsenenlernen in der beruflichen Weiterbildung?
Einerseits nehmen die Erwachsenen ihre Erfahrungen und Prägungen aus der Volksschulzeit mit. Damit können Hürden verbunden sein, die eventuell zunächst zu überwinden sind. Andererseits stehen diese Menschen in einer anderen Lebens- und Entwicklungsphase. Sie sind in der Regel selbstständi-ger, fokussierter und meist nicht durch ein Obligatorium, sondern intrinsisch motiviert. Sie haben in vielen Fällen gelernt, mit Lernblockaden umzugehen, ihre Konzentration zweckmässig zu dosieren und störende Ablenkungen auszublenden.
Wenn sie von möglichen Hürden sprechen, was meinen Sie damit?
Damit sind nicht so positive Erfahrungen und Erinnerungen aus der Schulzeit gemeint. Sie können zu negativen Selbstbildern führen («das kann ich eh nicht») und zu fürs Lernen ungünstigen Hemmungen. Eine kompetente Kursleitung erkennt solche Fallstricke und führt die Lernenden hin zu anderen, positiveren Erfahrungen.
Ist das Unterrichten und Coachen von Erwachsenen einfacher oder anspruchsvoller als das Unterrichten von Kindern?
So pauschal kann man das nicht beantworten. Bloss, wenn jemand neben den beruflichen und allenfalls familiären Pflichten den Zusatzaufwand einer Weiterbildung auf sich nimmt, erwartet diese Person von der Kursleitung, dass diese effizient, fachlich kompetent und kommunikativ erwachsenengerecht, also auf gleicher Augenhöhe, auftritt. Anders formuliert: Erwachsene sind anspruchsvoll, können Vergleiche anstellen, das Angebotene beurteilen und ihre Wahrnehmung auch zum Ausdruck bringen. All dies bedingt von den Kursleitenden ein hohes Mass an Souveränität, an Flexibilität, um auf wechselnde Situationen adäquat zu reagieren und ein Stück Gelassenheit, vielleicht sogar eine Prise Humor.
Herr Uhr, vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Aslam Jilani

Peter Uhr
Als langjähriger Leiter des schweizerischen Schulverlags plus verfügt Peter Uhr über einen starken Hintergrund in Pädagogik und Didaktik. Er besitzt umfassende Kenntnisse in der Entwicklung von Lehrmaterialien und hat weitreichende Erfahrung in der Zusammenarbeit mit NGOs, akademischen Buchhandlungen und Verlagen. Er ist versiert in Journalismus, Bildungspolitik und IKT. Derzeit arbeitet Peter als freiberuflicher Berater, spezialisiert auf Bildungs- und Lernmedien.
